„Macht“ als schillernder Begriff – Impulsabend der Regionalgruppe OWL
Am 2. Juni 2026 traf sich die Regionalgruppe OWL der DGfC im Cosi Cowork in Bielefeld zu einem Impulsabend zum Thema „Macht in Coaching- und Beratungsprozessen“. 17 Teilnehmende kamen zusammen, um sich einem Thema zu nähern, das in Coaching und Beratung allgegenwärtig ist – und zugleich häufig unausgesprochen bleibt.
Vorbereitet und durchgeführt wurde der Abend von Andreas Baumgärtner, Andreas Reinhold und Carsten Jonas. Sie eröffneten einen kollegialen Reflexionsraum, in dem Macht nicht vorschnell bewertet, sondern in ihrer Vielschichtigkeit betrachtet werden konnte: als interaktionales Phänomen, als Bestandteil professioneller Rollen, als mögliche Ressource – aber auch als Risiko.
Der Einstieg erfolgte über eine angeleitete Imagination und nachfolgende Skulpturenarbeit. Die Teilnehmenden waren eingeladen, eine Skulptur, eine Metapher oder einen anderen gestalterischen Ausdruck zu einem eigenen Erleben von Macht zu finden – vor allem zu Situationen, in denen sie sich selbst als machtvoll erlebt hatten. Dabei wurden zahlreiche persönliche Beispiele geteilt, in denen als Handlungsfähigkeit, Verantwortung, Wirksamkeit und Gestaltungskraft erlebt wurde.
Im weiteren Verlauf wurden theoretische Perspektiven auf Macht eröffnet, unter anderem mit Bezug auf Max Weber, Michel Foucault und Hannah Arendt. Anschließend arbeiteten die Teilnehmenden an drei Reflexionsfragen: (1) „Wie und wann nutze ich meine Macht als Coach?“, (2) „Was ist mein bewusster oder heimlicher ‚Lehrplan‘, wenn Coachees Phänomene von Macht einbringen?“ sowie (3) „Und in welchen Situationen bin ich als Coach selbst nicht redlich mit Macht umgegangen?“
Die vielgestaltigen Antworten auf diese Fragen machten deutlich, warum eine machtsensible Auseinandersetzung für Coaching zentral ist. Macht ist in Coachingbeziehungen stets anwesend. Coaches verfügen über Deutungsangebote, methodische Kompetenz, Prozessverantwortung und Einfluss auf den Rahmen. Zugleich sind Erfahrungen mit Macht und eigene Haltungen dazu biografisch geprägt. Wer professionell mit Machtphänomenen arbeitet, braucht daher nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch die Bereitschaft zur Selbstreflexion.
In der Abschlussrunde wurde deutlich, wie stark das Thema nachwirkte. Eine Teilnehmerin beschrieb „Macht“ als einen „schillernden Begriff“ – vieldeutig, ambivalent und gerade deshalb besonders reflexionsbedürftig. Angesprochen wurde auch, dass Coaches nicht vor der eigenen Korrumpierbarkeit durch Macht sicher sind. Gerade deshalb braucht es Räume, in denen die eigene Machtausübung, auch in subtilen Formen, kritisch und kollegial reflektiert werden kann.
Als gemeinsames Resümee blieb: Coaching hat die Aufgabe, Macht sichtbar und besprechbar zu machen. Nicht, um sie aus Beratungsprozessen zu verbannen, sondern um bewusster, verantwortlicher und professioneller mit ihr umgehen zu können. Der Impulsabend bot dafür einen dichten, persönlichen und fachlich anregenden Rahmen.
Hinweis zur Vertiefung: Wer das Thema weiterbearbeiten möchte, findet im zweitägigen Coaching Update „‚Macht‘ als Thema in Coaching und Beratung“ am 29. und 30. Januar 2027 in Detmold eine vertiefende Möglichkeit zur selbstreflexiven, methodischen und theoretischen Auseinandersetzung. Geleitet wird das Seminar von Andreas Baumgärtner und Carsten Jonas. Weitere Informationen: „Macht“ als Thema in Coaching und Beratung
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